Der Wahnsinn

Das ist Musik von Gewinnern für Gewinner. Punkrock für die Habenseite. Der Wahnsinn ist überall und das kommt uns in Deutschland allen zu Gute. „Dankeschön“ sagen diese zwei Wahnsinnigen, deren Vorbild sicherlich Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist. Zu zweit macht Der Wahnsinn seit 2014 mehr Lärm als jede herkömmliche Rockband im ganzen Land. Und herkömmlich ist an diesem Hamburger Duo rein gar nichts. Ausschließlich mit Bass, Schlagzeug und Gesang transportieren sie Unmengen an Energie auf der Bühne, so wie auch auf ihrem Debut „Aus Liebe zum System“ (Wahnsinns Records, 2017). Und weil nur Mehr auch wirklich Mehr ist, finden sich zu den 12 Studiotracks auch noch 11 Live Versionen des Wahnsinns. Mit Texten voller beißender Ironie und wahnsinniger Wahrheit feiern Werther Wahnsinn und Steven die Errungenschaften der freien Marktwirtschaft. Billiges Fleisch, schnelles Geld und die Freiheit, jeden Unfug in der Welt verbreiten zu dürfen, der einem gerade einfällt. Denn Lügen ist hier erlaubt und Lügen glauben auch und wenn dir jemand glaubt, dann stimmt das Falsche auch.

Denn alle sind dagegen. Wir wissen, was wir nicht wollen. Die sind die Bösen, denn wir sind die Guten. Aber wofür sind wir? Was wollen wir und was macht uns zu den Guten?
Der Wahnsinn will mit seinem hyperaktiven Noise-Chaospunk die Schockstarre der Moderne überwinden, um vom Denken ins Handeln überzugehen, den Status quo anzuerkennen, um ihn nach Strich und Faden auslachen zu können. Das Ziel ist es, das ständige „Du bist doof - Nein, du bist doof“ zu durchbrechen und mit einer unbestechlichen Leichtigkeit zu ersetzen. Denn die schon erwähnte Freiheit bringt auch immer die Möglichkeit mit sich, dass sie jemand missbraucht, da die Arschlöcher auf der Welt gleichmäßig verteilt sind. Deshalb ist es an uns, diese Freiheit zu nutzen, um uns massenwirksam über Ignoranz und Egoismus lustig zu machen. Der Protest und die Anklagen gegen die Rücksichtslosigkeit des Kapitals und des Faschismus treffen nur auf offene Ohren bei denen, die nicht mehr von der Idee der Freiheit überzeugt werden müssen. Humor hingegen trifft bei der sogenannten schweigenden Mehrheit auf ehrliches Interesse. Und in hohlen Köpfen ist viel Platz für Ideen. Der Wahnsinn will dort ein paar witzige pflanzen. Denn Protest muss witziger werden.

Das soll nach erfolgreichen Touren mit Rantanplan und LeFly, sowie Sets auf dem Rockspektakel Hamburg und dem Oakfield Festival vor allem mit Hilfe des kommenden Debütalbums „Aus Liebe zum System“ geschehen, das am 18. August über Wahnsinns Records erscheint. Mal im Studio von Produzent Jan Reinhard, mal im Professors Lab von Gitarrenpapst Peter Weihe aufgenommen. Darauf findet sich in knusprige Punk-Happen eingebackene Kritik an Problemen wie alternativen Fakten („OK“) oder das chauvinistische Schlaraffenland Deutschland („Fleisch“), aber auch jede Menge Humor. Wenn dir Der Wahnsinn also empfiehlt, die unbegrenzten Möglichkeiten, dein Geld zum Fenster raus zu werfen, zu nutzen und ihre CD oder ein Shirt zu kaufen oder sie einfach mit Geldscheinen zu bewerfen, ist das mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Eines hingegen ist definitiv ernst gemeint: Der einzige Sinn ist der Wahnsinn, weil er ganz klar beweist, dass wir noch da sind.